Dankbarkeit

Dankbarkeit, ein wichtiges Gewürz in der Essenz des Lebens. Ja, ich bin dankbar und je älter ich werde, umso dankbarer bin ich. Ich erkenne viel klarer, was in meinem Leben nicht alles selbstverständlich ist, welches Glück ich habe und wofür ich dankbar sein darf. Das ist schon einmal das Erste, wofür ich dankbar bin, für meine Fähigkeit, dieses zu erkennen und nicht alles für selbstverständlich zu halten.

Ich habe das Glück gehabt in einem der reichsten Länder dieser Erde geboren zu sein. Dafür bin ich dankbar. Ich brauche wohl nie wirklich Hunger zu haben – vorausgesetzt es gibt weiterhin keinen Krieg, keine Seuchen und keine gewaltigen Umweltkatastrophen. Dafür bin ich dankbar. Ich habe ein Dach über dem Kopf und im Winter habe ich es warm und auch dafür bin ich dankbar. Wenn es wie gestern wie am Schnürchen regnet, gehe ich gerne spazieren, dann plagt mich meine Haut nicht so sehr und ich genieße die frische Luft, aber nach einiger Zeit ist es dann doch unangenehm und ich bin froh, nach Hause gehen zu können, in mein warmes, gemütliches und trockenes Zuhause.  Dafür bin ich dankbar. Im Winter wenn es knapp um die Null Grad sind, es feucht und kalt ist und das so richtig in die Knochen kriecht, dann freue ich mich heim zu kommen, die Wärme, das Licht einen heißen Tee zu genießen und bin dankbar. Bei jeder neuen Naturkatastrophe bin ich dankbar und fühle mich sowas vom Glück bevorzugt das ich schreien könnte. Ich habe nicht durch ein Erdbeben mein Zuhause verloren und muß nicht im Freien übernachten, auch hat kein Sturm mir mein Dach über dem Kopf weggerissen und meine Habseligkeiten in alle Himmelsrichtungen verweht. Ich habe ein weiches und bequemes Bett, Licht abends noch ein gutes Buch zu lesen und morgens Strom um einen frischen Kaffee zu brühen. Dafür bin ich dankbar!

Ich bin dankbar dafür, dass ich abends ins Bett gehen kann ohne Angst vor einem Bombenangriff haben zu müssen, oder von Extrem-Gläubigen wegen meines Glaubens/Nichtglaubens gejagt, gefoltert oder getötet zu werden. Ich kann mich ohne Angst  schlafen legen. Ich darf mir meinen Glauben selber aussuchen oder ich kann mir aussuchen nicht zu glauben. Ich darf in mich hineinhören und meiner eigenen inneren Stimme folgen. Auch das ist nicht selbstverständlich wie alle wissen, die Nachrichten schauen, hören oder lesen. Eines führt zum anderen. Auch dafür bin ich dankbar, ich kann lesen, ich durfte in die Schule gehen, lesen, rechnen und alles mögliche lernen. Laut einem Bericht der UNESCO können 793 Millionen Menschen nicht lesen und schreiben, allein davon ca. 7.5 Millionen in Deutschland. Ich kann lesen und schreiben und bin dankbar dafür.

Die Natur in Deutschland bietet uns soviel und ich lebe so gerne auf dem Lande. Mit Zwanzig habe ich in Köln gelebt, mitten in dieser großen, wundervollen Stadt aber heute lebe ich so gerne auf dem Lande und könnte mir die Stadt als Wohnort nicht mehr vorstellen. Auch dafür bin ich dankbar, das ich mir meinen Wohnort selber aussuchen darf. Direkt vor meiner Türe finde ich Wald, Wiesen, Felder und Seen, alles in Gehweite, ist das nicht toll? Und ich habe meine Sinne immer dabei, ich sehe die Wildblumen am Wegesrand, das üppige Grün in den Bäumen, ich höre die Musik der Vögel in unserem Land, das Rauschen des Windes in den Bäumen, das wunderbare Geräusch von fallendem Regen und rieche die saubere Luft danach, im Frühjahr, wenn die Obstbäume blühen höre ich das Summen der Bienen in den Blüten und schnuppere den Blütenduft der erwachenden Natur. Dafür bin ich dankbar, das ich nicht stumpfsinnig durch die Welt gehe, sondern offenen Herzens und mir Freude daraus holen kann.

Wer mich kennt, weiß, das ich seit Jahren an einer Hautkrankheit leide. Sobald es wärmer draussen wird, sehe ich aus als wäre ich eine Rothaut. Mein Körper spielt mir pausenlos einen Streich sobald es warm wird und ich mich körperlich auch nur geringst anstrengen muß. Eine Mischform der Wärme- und Belastungsurtikaria ist der Grund dafür, deshalb ist mir auch im Winter nur spazieren gehen möglich. Kein Fahrradfahren, was ich leidenschaftlich gern getan habe, kein Schwimmen, kein Joggen und nichts, was mich auch nur im geringsten anstrengt. Halte ich mich nicht dran, plagen mich nicht nur die roten Flecken, sondern ein ganz heftiger, Ganzkörperjuckreiz plagt mich. Das ist noch viel schlimmer als die roten Flecken. Das alles könnte ich mir noch wegstecken, da diese Symptome nach ca. 1 bis 3 Stunden wieder verschwinden wenn da nicht noch meine empfindliche Lunge wäre, die mir dann zusätzlich noch die Luft versagt und mich in Hustenanfällen zurückläßt. Nein, alles nicht wirklich so schön und trotzdem bin ich dankbar. Ich bin dankbar dafür in einem Land zu leben, wo ein gemäßigtes Klima vorherrscht und es nur wochen- bzw. monatsweise so heiß ist, das allein schon das rausgehen mich plagt. Ich bin dankbar, das ich in einem Land lebe dessen Gesundheitswesen mir ein breites Angebot von Ärzten stellt und Zugang zu Medikamenten, die meine Leiden lindern. Sooft denke ich, wenn ich in Afrika leben würde und müsste dort die Bedingungen aushalten müsste, evt. auch noch auf der Flucht sein müsste, dann bin ich dankbar für meine Krankheit in Deutschland.